Küstrinchenbach Brandenburg Ostern 2007
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Vom 7.4. bis 9.4.2007 - 3 Tage
Wetter: Sonnig, leicht bewölkt, aber sehr kalt
Verband: 2 Zweier, 2 Einer
Besatzung: 5
Flusskilometer: ca. 26
Download: Google-Earth-Datei
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Literaturhinweis für die Region Brandenburg: Wochenendtouren rund um Berlin. Outdoorhandbuch.
Der Weg ist das Ziel , ISBN 3893925600 - siehe auch Literaturhinweise auf der Paddeleinstiegsseite.
Kurzer Bericht:
Nachdem es voriges Jahr nicht geklappt hat, folgte dieses Jahr ein neuer Anlauf für das
kleine Bächlein Küstrinchenbach in Brandenburg. Ursprünglich wollten wir die Tour zu
zweit unternehmen. Doch plötzlich waren wir zu fünft. Fünf Personen und vier Boote -
und es war kalt, aber lustig.
7.4.2007 Kleinmachnow
Hubertus, ich, Schulze, Detlef, Anja
Wir fahren ca. 8:00 Uhr mit dem Auto los. Eine dreiviertel Stunde später treffen wir an
einer Tankstelle Schulze (Ralf), Schulzes Bruder Detlef und Anja.
Detlef und Anja haben einen Zweier auf dem Autodach. Schulze hat zwei Einer drauf.
Einer wird für mich sein. Ich seh mich schon ewig im Kreis paddeln...
Nach einigem Suchen und noch einem kurzen Pegelstandsbesuch - sieht gut aus - finden wir
die Einsatzstelle am Wootzensee. Nach dem Auspacken, Aufbauen und fertig machen - da sind
auch die ersten Bilder entstanden - gehts dann los. Schätze mal es war zwischen zwölf und
eins.
Der Tag ist sonnig und der Himmel blau. Ein kühler Wind weht trotzdem. Hier oben ist es
wesentlich kühler wie im Süden. Ich bin noch nie im Einer gepaddelt. Es geht eigentlich,
stelle aber gleich darauf fest, dass das Boot einen bedenklich Rechtsdrall entwickelt.
Mit Kraft und irgendwie halte ich dagegen. Die Steuerung habe ich noch nicht so richtig
raus, aber ich drehe mich nicht, wie mir schon angekündigt wurde! Mein Kapitänspatent
rückt näher.
Wir schliessen uns auf dem See zu einem Verband zusammen. Schulze packt die ersten
Kümmerlinge aus und Detlef den selbsgekauften Obstler. Das tut gut und gibt Schwung.
Muss ich beim nächsten Mal auch einen Eimer von mitnehmen.
Hubertus fotografiert die ersten Viecher, sprich Schwäne.
Es dauert nicht lange und wir erreichen 'Die Floot' - Verbindung zwischen dem Wootzen
und dem Zansen. Die Fischsperre ist so früh noch nicht verkrautet aber auch nicht offen.
Detlef kennt nichts und räumt. Trotzdem müssen wir raus, die Boote können drin bleiben
und werden über die Sperre gezogen. Blöd nur das ich grade ne Büchse Bier in Arbeit habe.
Wohin damit - Schulze hält solange.
Der Zansen ist sehr langgestreckt und mündet in den Carwitzersee. Rechts und links sind
weder die Hänge noch die Bäume mit irgendwelchem Grün bedeckt. Alles ist noch in
Sepiafarben gehüllt.Vom Carwitzer gehts in den Dreetz. Wir kommen am südlichen Ende vom
Dreetz am Zeltplatz an. Jetzt, wo man nicht mehr paddelt ist der Wind ganz schön kalt.
Die Sonne wärmt nicht mehr.
Die Zelte werden aufgebaut, das Fässchen Bier geöffnet und Fleisch gebraten. Aber es ist
ganz schön saukalt. Schulze packt erst eine Säge und dann eine Feuerschale aus - er hat
einfach alles - und trotz Waldbrandstufe 8 verkokeln wir ein paar armseelige Ästchen, was
natürlich irgendwann die Campinglatzführerin auf den Plan ruft. Sie lässt aber Gnade
vor Recht ergehen und duldet unser Feuerchen mitten auf der weiten Zeltwiese wenn ein
Zahnputzbecher Löschwasser bereitsteht.
Das kleine Feuerchen macht den Abend dann doch angenehm. Im Schlafsack tut später der
geniale Taschenofen seinen Dienst.
8.4.2007 Zeltplatz Charlottenthal Ostersonntag
Aufwachen ist etwas schwer, Unterlage war hart, trotzdem gut geruht. Frühstücken,
Anja verteilt ein paar Süssigkeiten. Ich verteile Mutters Ostereier, genau fünf,
für jeden eins. Ostern in der Wildnis. Heimweh bricht aus. Das war ein Scherz.
Beim Frühstück beobachten wir den Zeltplatzbesitzer wie er rund um uns in den einzelnen
Büschen, Hecken und auch Bäumen jede Menge Ostereier versteckt. Leider nicht für uns wie
er uns erklärt, sondern für die Kinder aus dem Dorf oder den Gästen vom Zeltplatz.
Und tatsächlich sammelt sich an den Küchenräumen eine Horde Kinder die auf Signal auf unsere
Wiese stürmt.
Während wir von Kindern umschwärmt sind packen wir zusammen und mit den Bootswagen wird das
Umtragen zur 400m entfernten Einsatzstelle nicht schwierig.
Wir sehen die ersten Paddler, sonst sind wir die ganze Zeit alleine.
Das Wetter ist kühl und der Himmel bewölkt. Bei Paddeln und mit Kümmerling und Obstler
wird man aber warm. Detlefs Tipps zur Steuerung eines Einers sind goldwert. Ich steuere
den Einer so sicher wie einen Öltanker durch die Norwegischen Fjorde. Beim Paddeln mit
einem Einer ist aber immer Kraft gefragt.
Wir paddeln durch den Krüselin und gelangen zu Krüseliner Mühle. Dort muss umgetragen
werden. Danach ist es etwas flach. Wir müssen später einsteigen. Fast hauts mich ins
Wasser, weil das Einsteigen in den engen Einer auch gelernt sein will. Noch dazu in
Gummistiefeln. Schulze hält das Boot und ich komme trocken hinein.
Der Durchgang zum Mechow ist faszinierend. Wie auf einer Alleenstraße. Nur
eben ist es eine Wasserstraße. Auch hier überhaupt nichts grünes, alles ist noch in
herbstliches Sepia getaucht. Und eine Ruhe. Kein Wind, kein gar nix.
Der Bach windet sich durch den Wald, irgendwann kommt eine kleine Holzbrücke. Keine Ahnung
wie es Detlef und Anja schaffen da drunter durch zu kratzen. Hubertus hängt hilflos an
der Brücke wie Comickater Tom der auf eine Wand geknallt ist. Mist, Kamera nicht
Einsatzbereit.
Signal für mich und Schulze auszusteigen und die Brücke zu umgehen. Man will sich ja
selebr nicht zum Löffel machen. Das Boot kann im Wasser bleiben.
An der Kolbatzer Mühle ist kurzes Umtragen angesagt. Detlef spendiert zum Aufwärmen eine
Runde Glühwein. Der Mühlenwirt sagt, dass der Pegelstand sehr gering ist und der
Küstrinchenbach wohl in zwei Tagen dicht gemacht wird. Noch mal Glück gehabt.
Es ist ja auch überall furztrocken und Waldbrandstufe 4.
Kurz vorm Eingang zum Großen Küstrinsee ist an der Schreiber Mühle noch mal umtragen
gefordert An dieser Stelle hatten wir gestern nochmal den Pegelstand kontrolliert, bevor
es zur Einsatzstelle ging.

Es kommt Amazonasfeeling auf. Langwurzelige grünbemooste Bäume stehen im und am Wasser.
Einen riesigen Baum der quer den Bach versperrte hat man in der Mitte zweimal durchgesägt
um einen Durchfluss und eine Durchfahrt zu schaffen.
Ein kleines Stück durch den Küstrinsee und wir sind am Eingang zum Küstrinchenbach.
Der Küstrinchenbach hat eine flotte Strömung, fast muss man nur steuern und die scharfen
Biegungen gekonnt umschiffen.
Der Wasserstand ist wirklich sehr niedrig. Detlev muß immer mal wieder raus und den
Zweier treideln. Der Kerl kennt einfach keine Schmerzen und tappt die ganze Zeit barfuss
durch die eiskalte Brühe. Obwohl unsere Boote öfters Grundberühreung haben können wir drin
bleiben.
Am Abend erreichen wir den sehr schön gelegenen Biwakplatz Fegefeuer. Der Abend klingt
mit einem Lagerfeuer aus.
9.4.2007 Biwakplatz Fegefeuer Ostermontag
Mit dem Taschenofen im Schlafsack und an den kälteempfindlichen Stellen war die kalte
Nacht sehr angenehm. Frühstücken, einen heissen Kaffee und einen wunderbaren Morgenschiss,
dann geht es weiter.
Vom Biwakplatz schaffen wir die Boote cirka 200 Meter zur Einsatzstelle hinter dem Wehr.
Die ersten Meter sind noch flach doch dann wird es enger und die Strömung wird wieder
richtig flott.
Wir erreichen den Ausgang zum Oberpfuhlsee bei Lychen. Aber es macht sich schon vorher
bemerkbar: Schon vor dem Ausgang fängt ein ordentlichen Windchen an zu blasen und kaum
sind wir auf dem See bläst uns ein sehr kräftiger Wind entgegen.
Zu allem Übel müssen wir auch noch dagegen paddeln. Mit AK voraus und aller Kraft paddeln
wir auf Lychen zu. Ohne Verluste erreichen wir den sicheren Hafen. Nachdem die Autos
geholt sind und alles verpackt ist, gibts nach zweieinhalb Tagen Wildnis im Restaurant
gleich an der Aussatzstelle noch ein Abschlußessen.
Es war ne lustige Runde und hat viel Spass gemacht und ich habe mein Kapitänspatent.
Gerne mal wieder. Ich muss jetzt noch 450 Kilometer auf dem Mopped abschrubben.
Update am 26.02.2008
Folgende Info habe ich vom Schreiber-Mühler bekommen. Vielen Dank dafür!
Zitat:
Der Küstriener Bach mit neuen Verlauf, die Umbauung der Schleuse IV geht vorran ab sofort kann man die Schleuse in eine reizvollen S-Kurve umfahren.
Übrigens: Paddler können nun an der Floßschleue 4, ohne Boot und Gepäck umtragen zumüssen, ihre Fahrt von Küstrinchen bis Lychen nonstop fortsetzen.
Sie werden ab sofort an dieser Stelle aber auch eine knifflige, reizvolle Situation vorfinden, die ihr wassersportliches Können herausfordert und die die Fahrt auf dem wildwasser-ähnlichen Fließgewässer abwärts noch attraktiver macht.
Der Bachverlauf besitzt nun eine ziemlich enge S-Kurve, die man mit starkem Paddeleinsatz meistern muss, bis man im Umgehungsgerinne in ruhigeres Fahrwasser gerät und am Ende dieser 125 Meter langen Strecke mit einem "Schuss" in den tiefen Kolksee unterhalb der Floßschleuse einfahren kann.
Zitat Ende.
Update am 10.06.2010
Umtragen an der Schreiber-Mühle: http://www.faltboot.de/forum/read.php?1,160875,160895
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